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Der folgende Artikel wurde zuerst veröffentlicht in:
UGB-Forum. Fachzeitschrift für Gesundheitsförderung, Heft 4/97
Copyright bei Stefan Zierau

Klientenzentrierte Gesprächsführung - von Mensch zu Mensch

von  Stefan Zierau (Zentrum für personenzentrierte Pädagogik e.V.)
 

Nicht nur das Fachwissen, sondern vor allem menschliche Fähigkeiten bestimmen den Verlauf eines jeden Gesprächs. Berater sollten dem Ratsuchenden offen und verständnisvoll begegnen und seine Persönlichkeit akzeptieren und wertschätzen. Denn wenn sich der Klient verstanden fühlt, kann er seine Probleme besser beschreiben und selbst Ideen zu deren Lösung entwickeln.

Wenn Menschen in die Beratung kommen, kann das die unterschiedlichsten Gründe haben: vielleicht ist der Klient in einer Lebenssituation oder -krise, die er alleine nicht mehr bewältigen kann? Vielleicht fehlen ihm Mut und Unterstützung, die notwendigen Veränderungen in Angriff zu nehmen? Vielleicht benötigt er Informationen und Rat, um in seiner Entwicklung weiter zu kommen? Vielleicht wird er geschickt, weil andere meinen, er sollte - natürlich zu seinem Besten - etwas in seinem Leben verändern.

Als Berater sitzen wir diesem Menschen nun gegenüber. Aus unserer Aus- und Weiterbildung sowie unserer Berufserfahrung verfügen wir über das nötige Fachwissen. Wie wir allerdings unsere Kompetenz im Beratungsprozeß an den Ratsuchenden heranbringen, das wird in den meisten Schul- und Universitätsausbildungen nicht gelehrt.

Gesprächsführung nach Carl R. Rogers

Der amerikanische Psychologe Carl R. Rogers hat mit seinem klientenzentrierten Ansatz sehr deutlich die allgemeinen Grundlagen hilfreicher menschlicher Beziehungen formuliert. Er beschreibt drei Haltungen oder innere Einstellungen, die ein Berater einnehmen sollte, um die Entwicklung seines Klienten zu fördern:

"Das erste Element könnte man als Echtheit, Unverfälschtheit oder Kongruenz bezeichnen. Je mehr der Therapeut in der Beziehung er selber ist, das heißt kein professionelles Gehabe und keine persönliche Fassade zur Schau trägt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Klient ändern und auf konstruktive Weise wachsen wird. ... Kongruenz besagt, dass der Therapeut sich dessen, was er erlebt oder leibhaft empfindet, deutlich gewahr wird, und dass ihm diese Empfindungen verfügbar sind, so dass er sie dem Klienten mitzuteilen vermag, wenn es angemessen ist.

Die zweite Voraussetzung für ein Klima, das Veränderung fördert, ist das Akzeptieren, die Anteilnahme oder Wertschätzung. ... Wenn der Therapeut eine positive, akzeptierende Einstellung gegenüber dem hat, was der Klient in diesem Augenblick ist, dann wird es mit größerer Wahrscheinlichkeit zu therapeutischer Bewegung oder Veränderung kommen. ... Eine solche Zuwendung seitens des Therapeuten ist nicht besitzergreifend. Der Therapeut bringt dem Klienten eine totale, nicht an Bedingungen geknüpfte Wertschätzung entgegen.

Der dritte förderliche Aspekt einer solchen Beziehung ist das einfühlsame Verstehen (Empathie). Das bedeutet, dass der Therapeut genau die Gefühle und persönlichen Bedeutungen spürt, die der Klient erlebt, und dass er dieses Verstehen dem Klienten mitteilt. Diese Art des sensiblen, aktiven Zuhörens ist äußerst selten in unserem Leben und stellt eine der mächtigsten Kräfte der Veränderung dar, die ich kenne." (Rogers 1981).

Von der Kontaktaufnahme zur Handlung

Kontaktphase

Wenn der Klient den Raum betritt, findet die erste Kontaktaufnahme statt. Häufig fällt es dem Ratsuchenden schwer, professionelle Hilfe aufzusuchen. Er muss sich eingestehen, dass er seine Situation nicht alleine bewältigen kann, und sie vor einem fremden Menschen ausbreiten. Der Berater sollte den Kontakt so gestalten, dass der Klient Vertrauen fassen kann. Er ermuntert den Klienten, über die ihn belastende Situation zu sprechen. Er fragt nach, wo es nötig ist, und zeigt seinem Gegenüber durch Wiederholen, Zusammenfassen und Präzisieren, dass und wie er ihn verstanden hat. Wenn der Klient das Bemühen um ihn wahrnimmt, wird er besser über seine Situation sprechen können.

Problem

Allmählich wird klarer, worin genau das Problem besteht, welche Facetten in ihm liegen, was gut und was schlecht läuft. Die Aufgabe des Beraters besteht vor allem darin, dem Klienten zu helfen, sich auf die relevanten Aspekte zu konzentrieren, sie konkret zu erfassen, zu beschreiben, aber auch blinde Flecken und Blockaden wahrzunehmen.

Wenn Klienten ihr Problem und ihre Entwicklungsmöglichkeiten und -hindernisse besser verstehen, werden sie Hilfe brauchen, um festzustellen, was sie gerne ändern würden. Als Berater habe ich jedoch keine Macht und möchte auch keine haben, Veränderungen im Leben des Klienten durchzusetzen. Vielmehr muss er die Bereitschaft zur Änderung selbst entwickeln. Der Berater hilft dem Klienten lediglich, seine Entwicklungsmöglichkeiten zu erfassen und Veränderungswünsche zu formulieren.

Ziele

Im Rahmen seiner Möglichkeiten wird der Klient Ziele und Wunschvorstellungen für sein Problem formulieren. Der Berater hilft ihm mit seinem Fachwissen und seiner Berufserfahrung im Hintergrund, diese Ziele konkret, klar, überschaubar, realistisch und im Einklang mit seinen Wertvorstellungen auszudrücken. Nur so können Ziele auch zu Handlungen führen, die eine Veränderung bewirken.

Lösungswege

Auch bei der Erarbeitung von Lösungswegen und Handlungsstrategien sind Fachwissen und Berufserfahrung bedeutsam. Der Berater kann seinem Klienten Informationen über geeignete Lösungswege zur Verfügung stellen und ihm helfen, den für ihn geeigneten Weg ausfindig zu machen. Als Berater versuche ich zu vermeiden, die von mir als sinnvoll erachteten Wege meinem Klienten einfach überzustülpen. Die Lösungswege müssen seiner Realität sowie seinen Möglichkeiten und Werten gerecht werden.

Handlung

Bei der Umsetzung der Lösungsschritte benötigt der Klient häufig Ermutigung. Ansonsten kann er bei den ersten Schritten und Misserfolgen leicht resignieren. Der Berater sollte die Erfahrungen verständnisvoll und ermutigend aufgreifen und helfen, die entsprechenden Gefühle zu verarbeiten. Wenn neue Hindernisse oder Blockaden auftauchen, unterstützt er den Klienten bei deren Erforschung und versucht, den Klienten in seinem Veränderungspotential zu stützen. Vielleicht müssen die Ziele neu und realistischer gefasst werden, vielleicht sind die Lösungswege aufgrund der aufgetretenen Schwierigkeiten abzuwandeln.

Der Ratsuchende soll sich akzeptiert fühlen.

Es ist interessant, dass Rogers weniger von Techniken der Beratung spricht als von bestimmten Einstellungen und Fähigkeiten des Beraters, die es ihm ermöglichen, offene, akzeptierende und verständnisvolle Beziehungen einzugehen. Der klientenzentrierte Ansatz bezieht sich heute nicht nur auf Beratung und Therapie. Eine akzeptierende und offene Haltung ist in Gruppen wie Einzelkontakten, in der Schule, in Ehe, Familie und Erziehung, in Teams und Betrieben gleichermaßen bedeutsam. Die von Rogers beschriebenen inneren Einstellungen sind für jeden Gesprächspartner wohltuend. Probleme zu haben ist für die meisten Menschen sehr unangenehm. Um unsere Probleme ausdrücken und ehrlich vor uns und dem anderen betrachten zu können, benötigen wir eine vertrauensvolle Beziehung. Wenn wir uns wirklich verstanden fühlen und wenn wir den Eindruck bekommen, dass unser Gegenüber uns wohlwollend und akzeptierend begegnet, können wir Vertrauen entwickeln. Ohne diese innere Einstellung im Gespräch wird die Beziehung zwischen Berater und Klient nicht oder nur begrenzt nutzbringend sein können.

Der Problemlöseprozess verläuft gewöhnlich nicht so geradlinig, wie er hier beschrieben ist. Bei jedem Schritt können Probleme und Rückschläge auftauchen, die einen erneuten Bearbeitungsweg erfordern. Manche Stufen können die Klienten auch allein bewältigen, einzelne Etappen des Lösungsweges liegen schon hinter ihnen oder werden, ohne dass der Berater es direkt wahrnimmt, zwischen den Beratungsterminen im Alltag bewältigt.

Klientenzentrierte Berater stärken die Selbstheilungskräfte und die Eigenverantwortung des Klienten. Sie helfen ihm, sich auf seinen Wunsch nach Entwicklung, Verantwortung und Gesundheit zu besinnen und seine Fähigkeiten zur Veränderung zu entdecken. Die klientenzentrierte Haltung schafft die Grundlage für einen konstruktiven, vertrauensvollen Beratungsprozeß. Der Berater hilft, die Schwierigkeiten herauszuarbeiten, und ist mittels seiner Empathie und Wertschätzung imstande, dem Klienten genau an den Stellen zu helfen, an denen er Unterstützung und Rat benötigt.

Empathie richtet sich also auf:

  • den Klienten in seiner gesamten Persönlichkeit,
  • sein inneres Erleben, seine Sichtweisen von sich und seiner Lebenswelt,
  • seine Schwierigkeiten, mit ihren psychischen; sozialen und medizinischen Facetten,
  • seine Fähigkeiten und Blockaden, die in seinem Problem bzw. dessen Bearbeitung zum Ausdruck kommen.

Diese genannten Aspekte sind Teil der unverwechselbaren Persönlichkeit des Klienten. Jeder Berater sollte ihnen mit Achtung und Wertschätzung begegnen. Indem er ehrlich und offen in einer Begegnung von Person zu Person die Beziehung zu seinem Gesprächspartner gestaltet, drückt er seinen Respekt vor dessen Empfinden und seiner inneren wie äußeren Realität aus.

Auch sich selbst schätzen

Oft stoßen Berater an ihre Grenzen. Der institutionelle Rahmen schränkt ihren Handlungsspielraum ein, oder Klienten bringen ihn an den Rand der Geduld, Wertschätzung und seines Verstehens. Die drei Grundhaltungen von Rogers gelten nicht nur für den Klienten. Auch der Berater darf und muss sich in seinen Reaktionen auf den Klienten verstehen und wertschätzen sowie seine Grenzen respektieren.

Eine solche Beratungskompetenz muss entwickelt und gefördert werden, hierzu brauchen wir Unterstützung und Lernmöglichkeiten. Gute Arbeitsbedingungen mit einem hilfreichen Team im Rücken können helfen. Aber auch Supervision und Fallbesprechungen, in denen die eigenen Schwierigkeiten im Umgang mit den Klienten aufgearbeitet werden, sind hilfreich. Durch entsprechende Fortbildungen können wir inhaltlich und persönlich wachsen und zu einer Person reifen, die authentisch und zugewandt sich selbst und anderen Menschen begegnen kann.

Anschrift des Verfassers:

Stefan Zierau   
Dipl.-Pädagoge, Heilpraktiker (Psychotherapie), Supervisor (DGSv, GwG), Ausbilder der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GwG)

Zentrum für personenzentrierte Pädagogik e.V.
D-36041 Fulda-Gläserzell, Am Honigberg 19
Tel. (0661) 3804444, Fax (0661) 38040866
E-Mail:
stefan.zierau@zpp.de

Literaturangaben:

  1. Egan, G.: Helfen durch Gespräch. Beltz, Weinheim 1990
  2. Rogers, C.R.: Der neue Mensch. Klett-Cotta, Stuttgart 1981
  3. Schulz von Thun, F.: Miteinander reden 1 : Störungen und Klärungen. Rowohlt, Reinbek 1981
  4. Weinberger, S.: Klientenzentrierte Gesprächsführung. Beltz, Weinheim 1988

 

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